Schule neu gedacht – ein offenes Haus für die Lerngemeinschaft

Beim Neubau der Jenaplanschule in Weimar sind in drei Gebäuden offene Lernlofts mit Werkstattcharakter für jahrgangsübergreifendes Lernen entstanden. Das Pilotprojekt von „Schulbau Open Source“ beeindruckt mit maximal flexibler Architektur, angepasst an ein besonderes pädagogisches Konzept.

Schallabsorbierende Holzwolle-Leichtbauplatten von Troldtekt werden häufig als Akustikdecken in Schulen und Bildungseinrichtungen verwendet

„Jedes Kind kann etwas“ - dieses Leitbild prägt die Jenaplanschule im thüringischen Weimar. Kerngedanken des Jenaplans, eines besonderen Schulentwicklungskonzepts, sind jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit und gemeinschaftliche Rituale sowie Mitverantwortung der Schüler- und Elternschaft. Die Schulform kommt in Weimar gut an. Seit ihrer Gründung 1993 hat sich die Schülerzahl von 16 auf fast 900 erhöht. Ein Neubau für rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler sollte deshalb einen maroden DDR-Bau an einem der beiden Schulstandorte ersetzen.

 

Die Herausforderung: Pädagogik braucht Raum

Am partizipativen Planungsprozess für eine „Schule als Werkstatt“ – initiiert durch die IBA Thüringen – waren neben Verwaltung und Schulgemeinschaft gleich drei Architekturbüros beteiligt: Gernot Schulz Architektur, Ernst2 Architekten und Hausmann Architektur. Die Idee und Herausforderung: Eine Schule zu bauen, die sich mit maximal flexibler Architektur dem offenen und projektorientierten Lernkonzept anpasst. Gesucht war kein klassischer Schulneubau, sondern ein Gebäude, das keine Räume vorgibt, sondern Möglichkeiten eröffnet. Die Umsetzung ist so gut gelungen, dass der neue Campus „An der Hart“ nur wenige Wochen nach der offiziellen Eröffnung im September 2025 zu den Preisträgern des Deutschen Schulpreises gehörte.

Die gewünschte, offene Grundrissgestaltung bedeutete jedoch, dass die akustischen Verhältnisse, sprich Nachhallzeiten, Schallausbreitung und Hintergrundlärm, große Beachtung finden mussten. Denn Unterrichtsbereiche verschmelzen u.a. mit hochmodernen Werkstätten, in denen die Schüler und Schülerinnen den Umgang mit z.B. holz- und metallverarbeitenden Maschinen lernen können.

 

Die architektonische Antwort: maximale Anpassungsfähigkeit und gute Akustik

Rund 500 Kinder und Jugendliche der Klassenstufen 1 bis 12 lernen hier in einer „Schule als Werkstatt“. Der innovative Neubau besteht aus drei quaderförmigen, dreigeschossigen Betonskelettbauten mit mintgrüner Trapezblechfassade, umlaufenden Laubengängen und außenliegenden Metalltreppen. Diese Struktur befreit die Innenräume von tragenden Wänden und Fluchtwegauflagen und schafft eine offene Atmosphäre. Stahlbetonträger, rohe Estrichböden und unverputzte Wände unterstreichen den Werkstattcharakter.

Herzstück des Entwurfs sind rund 400 m² große, helle und natürlich belüftete Lernlofts für jeweils drei jahrgangsgemischte Gruppen. Wände aus Glas und hellem Holz, Vorhänge, Einbauten und Holzfaltelemente können teilweise verschoben oder ganz entfernt werden. Troldtekt-Akustikplatten in Natur Hell an den Decken runden nicht nur das Gesamtkonzept ab, sie tragen auch zur hohen Aufenthaltsqualität der offenen Lernlandschaften bei.

Harte Oberflächen wie Beton, Glas und Putz verursachen lange Nachhallzeiten, weil Schall viele Male reflektiert wird. Offene Oberflächenstrukturen hingegen, wie bei den Troldtekt-Akustikplatten, klingen den Schall schnell aus. Dies führt zu einer kurzen Nachhallzeit und besserer Akustik, auch bei niedrigen Frequenzen, was die Sprachverständlichkeit – besonders wichtig in Schulen – erhöht. Troldtekt unterstützt hier die architektonische Idee der Planer, Räume akustisch wirksam zu beruhigen.