Fallbeispiel: Ein Ort der Gemeinschaft und Geborgenheit

Im dänischen Herning bietet der selbständige Verein HUSET eine Tagesstätte für sozial benachteiligte Bürger an. Der Verein träumt davon, mit einem neu eingerichteten Mehrzweckraum einen besseren Rahmen für die Gemeinschaft zu schaffen und den Menschen den ersten, schweren Schritt über die Türschwelle zu erleichtern.

Foto:
Henrik Hedelund, Leiter der Einrichtung HUSET, freut sich uber den Wandschmuck aus bedruckten Troldtekt-Platten.

Troldtekt, CSR 2016 - Samfund

Wenn man das HUSET in Herning betritt, fragt einen niemand, warum man kommt. Ganz gleich, ob man sich einsam fühlt, mit der Alkoholsucht kämpft oder in finanziellen Schwierigkeiten steckt – hier sind alle willkommen, auf eine Tasse Kaffee oder eine Mahlzeit oder einfach ein gutes Gespräch. Der gemeinsame Nenner ist ein tolerantes Miteinander und soziale Kontakte, die einen von den Sorgen des Alltags verschnaufen lassen. Der soziale Trägerverein des HUSET ist unabhängig von Kirchen und politischen Parteien. Neben den täglichen Angeboten mit Essen und Kaffee organisiert der Verein auch Ausflüge, Vorträge und andere Unterhaltungsangebote für die Nutzer, deren angehörige und andere interessierte Bürger. Die Unabhängigkeit ist Stärke und Bürde zugleich, erklärt Henrik Hedelund, diensthabender Leiter des HUSET:
„Wir müssen niemanden um Erlaubnis fragen, wenn wir die Aktivitäten für unsere Nutzer planen. Aber unabhängig zu sein heißt auch, für sich selbst sorgen zu müssen, besonders finanziell. Wir möchten die Mitgliedsbeiträge gern niedrig halten, denn wenn die zu hoch werden, können gerade diejenigen, die uns brauchen, sie nicht mehr bezahlen. Deshalb sind wir ziemlich abhängig von der Förderung durch Stiftungen und Unternehmen.“

Ein Raum für viele Zwecke
Die Räumlichkeiten des HUSET in der Bryggersgade in Herning sind Dreh- und Angelpunkt für Verein und Nutzer. Zum Grundstück gehören ein Garten und ein Nebengebäude mit Holz-, Glas und Fahrradwerkstatt. Die Holz- und Glaswerkstätten wurden jedoch nicht sehr häufig genutzt, und so beschloss der Verein, die große Holzwerkstatt in einen Mehrzweckraum umzuwandeln.
„Wir wollten gern einen Raum mit mobiler Einrichtung haben. Tagsüber wird das Lokal als Café möbliert, in dem man auch Billard und Darts spielen kann.

Wenn der neue Mehrzweckraum fertig gestaltet ist, kann er für vieles genutzt werden, vom Spielen bis hin zum gemeinsamen Singen.

Troldtekt, CSR 2016 - Samfund

Ein Spiel unter Freunden hilft dabei, die Alltagsprobleme einmal hinter sich zu lassen. Abends sollen in dem Raum Gesang und Vorträge stattfinden. Besonders die Abende, an denen wir gemeinsam singen und etwas über die Geschichte der Lieder hören, sind unter den Leuten beliebt“, berichtet Henrik Hedelund.

Veranstaltungen locken die Leute ins Haus
Der Verein hat schon eine ganze Reihe von Veranstaltungen geplant, wenn der Mehrzweckraum im Frühjahr 2017 eröffnet. Und die sind nicht nur für die alltäglichen Nutzer gedacht. Im Gegenteil – das HUSET möchte gern so viele Gäste wie möglich von außerhalb anziehen. Denn einerseits eröffnet es so die Möglichkeit, Tabus und Vorurteile über soziale Einrichtungen aufzubrechen, und andererseits können diese Veranstaltungen künftigen Nutzern dabei helfen, den ersten Schritt über die Türschwelle zu tun.
„Vielen fällt es gar nicht leicht, zum ersten Mal einen Fuß über die Schwelle zu setzen. Gerade einsame Menschen sind etwas nervös, wenn sie ihre Verletzlichkeit zur Schau stellen sollen. Hier kann man einen unserer Singabende als ,Vorwand‘ nehmen, um hereinzuschauen und uns zu beschnuppern“, sagt Hedelund.
„Viele glauben, dass unsere Nutzer vor allem Obdachlose sind, doch in diese Kategorie fällt vielleicht ein Prozent. Die restlichen 99 Prozent sind Nachbarn oder Familienväter, Manager oder Jugendliche.“

Unterstützung mit Arbeitskraft und Material
Mehrere Unternehmen, Stiftungen und Organisationen haben dazu beigetragen, den Traum des HUSET von einem Mehrzweckraum zu verwirklichen. Troldtekt hat eine Akustikdecke gespendet, damit die Raumakustik im Café, beim Singen und bei Vorträgen stimmt. Schüler der örtlichen Technischen Berufsschule helfen bei der Montage im Mehrzweckraum.

Die alte Holzwerkstatt, nun umgestaltet zum Mehrzweckraum.

Troldtekt, CSR 2016 - Samfund