Kann man aus Baumrinde Möbel machen?

Während eines Besuchs bei Troldtekt hatte Tommy Mosgaard Jensen angesichts der Berge von Baumrindenabfall eine Idee. Ganz im Einklang mit dem Cradle to Cradle-Ansatz von Troldtekt untersuchte er, ob die Rinde zu wertvollem Rohmaterial für die Möbelherstellung werden kann.

 

 

Troldtekt, CSR report 2017

Jedes Jahr fallen bei Troldtekt ungeheure Mengen an Rinde an, wenn die angelieferten Fichtenstämme entrindet und zu Holzwolle verarbeitet werden. Im Gegensatz zum Holz kann die Baumrinde nicht zu Akustikplatten verarbeitet werden, weshalb sie auf dem Werksgelände zu großen Haufen aufgeschüttet wird. Sie wird abgeholt und unter anderem als Rindenmulch und zur Bodenverbesserung genutzt.

Der Anblick der großen Haufen aus Baumabfall brachte den 44-jährigen Tommy Mosgaard Jensen, der während seiner Ausbildung zum Produktionstechnologen einen Studienbesuch bei Troldtekt absolvierte, zum Nachdenken. Er entschloss sich, im Rahmen seines Abschlussexamens zu unter­suchen, ob die Baumrinde beispielsweise in der Möbelindustrie Verwertung finden kann.  

Großes Potenzial weltweit
Tommy Mosgaard Jensen arbeitet seit 20 Jahren mit Holz in der Möbelherstellung und verfügt daher über umfassendes Wissen über den Möbelbau mit Span- und MDF-Platten. In seiner Ausbildung wird zudem viel Gewicht auf Nachhaltigkeit und die Cradle to Cradle-Prinzipien gelegt. Deshalb erkannte er schnell, dass sich potenziell Rohstoffe einsparen lassen und ein Mehrwert entsteht, wenn ein Restprodukt verwertet werden kann.

„Ich habe schon früher mit dem Gedanken gespielt, ein Möbelstück aus Holzschnitzeln zu bauen. Der Versuch, die Rinde sinnvoll zu nutzen, erschien mir naheliegend“, berichtet Jensen. „Ich sprach unter anderem mit einem Wirtschaftsweisen aus der Holzindustrie, der mir erzählte, dass Baumrinde als Reststoff nicht nur bei Troldtekt, sondern bei Unternehmen überall auf der Welt anfällt. Da liegt also ein riesiges Potenzial.“

Troldtekt, CSR report 2017

Baumrinde im Mixer
Dann machte sich Tommy Mosgaard Jensen ans Experimentieren. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er in der heimischen Küche, denn die Rinde musste zunächst zerkleinert werden.

„Zuerst probierte ich es mit dem Standmixer, aber die Rinde war zu hart. Dann schlug mein Sohn vor, die Rinde erst zu kochen und dann zu mixen – wie eine Gemüsesuppe“, erinnert sich Jensen. „Das hatte den gewünschten Effekt, und bald hatte ich ein Rohmaterial, das an getrockneten Tabak erinnerte. Mein erster Gedanke war, es mit Leim zu Platten zu verpressen. Aber dann zeigte sich, dass der natürliche Gehalt an Harz und Fasern die Baumrinde gut zusammenhält. Also kamen nur Naturmaterialien zum Einsatz.“

Troldtekt, CSR report 2017

Troldtekt in beratender Funktion
Die gepresste Baumrinde ist formbar und kann mit verschiedenen Materialien überzogen werden. So entsteht eine Art Furnier. Während der Entwicklungszeit traf sich Tommy Mosgaard Jensen mit Troldtekts Produktentwickler Niels Kappel. Von ihm erhielt er weitere Tipps dazu, was er tun könnte, um die Anwendbarkeit der Baumrinde zu verbessern.

„Troldtekt beschäftigt sich ja nicht mit der Möbelherstellung. Deshalb sah Niels Kappel das größte Potenzial in der gehackten, gekochten Rinde. Wenn die sich mit Zement vermischen ließe, könnte sie möglicherweise zu einem Produkt werden, mit dem sich das aktuelle Troldtekt-Sortiment ergänzen ließe. Ich wandte mich also an Aalborg Portland und erhielt einige Zementproben, mit denen ich weiter experimentieren konnte“, erzählt Jensen.

Mittlerweile hat Tommy Mosgaard Jensen seine Ausbildung abgeschlossen und arbeitet in Vollzeit als Produktentwickler und Produktionstechnologe. Im Nebenberuf ist er selbständig und entwirft Möbel. Auch an der Idee mit der Verwertung der Baumrinde arbeitet er weiter.