Systematische Nachhaltigkeit verbessert Bauprojekte

11:e aug. 2015

Bei immer mehr Bauvorhaben wird heute systematisch Nachhaltigkeit eingeplant. In Deutschland verzeichnet das Zertifizierungsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) einen Anteil von 87 Prozent am Neubaumarkt, berichtet DGNB-Geschäftsführerin Dr. Christine Lemaitre. 

In Dänemark führt die Region Nordjütland als Bauherr im öffentlichen Sektor die Nachhaltigkeitsrangliste an und profitiert von Zertifizierungen, die die Qualität der Projekte deutlich verbessern, sagt Architekt Niels Sloth.

Health Center, Sæbygaardsvej, Sæby

Die dänische Verwaltungsregion Nordjütland will bis 2020 erhebliche Mengen an CO2-Emissionen einsparen. Deshalb müssen öffentliche Bauvorhaben in der Region, wie z. B. Gesundheitszentren, Kliniken und Wohnungsbauprojekte, nach allen Regeln der Nachhaltigkeit umgesetzt werden. Zu diesem Zweck wendet die Region wo immer möglich den DGNB-Standard an.

„Nachhaltiges Bauen war früher eine schwer definierbare Größe. Führend waren hier ausländische Standards, die in Bezug auf unsere heimischen Gesetze und Bauvorschriften nicht wirklich sinnvoll erschienen. Mit der auf dänische Verhältnisse abgestimmten Version des DGNB-Standards haben wir heute ein brauchbares Instrument, das uns die Schaffung einer zukunftssicheren Qualität beim Bauen erleichtert, denn die Regeln erstrecken sich auf Ökologie, Energieverbrauch, Innenraumklima und Gesamtwirtschaftlichkeit. Das System verleiht Bauprojekten einen ganz neuen Standard“, meint Niels Sloth, Architekt und Hauptabteilungsleiter in der Regionalverwaltung von Nordjütland.

„Die Gebäude werden pünktlich und ohne wesentliche Mängel fertig gestellt. Das liegt daran, dass die DGNB-Zertifizierung viel mehr durchgeplante Abläufe in allen Planungs- und Bauphasen vorschreibt. Es gibt deutlich mehr Details, die man als Bauherr berücksichtigen muss. In meinen Augen führt das DGNB-System jedoch gerade dadurch zu einer Win-Win-Situation für alle Projektbeteiligten“, berichtet Sloth.

Neuer Standard

Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V., nennt dieselben Vorteile der Zertifizierung, die innerhalb von nur sieben Jahren zu einem bei Bauherren sehr beliebten Instrument geworden ist.

„Immer mehr Immobilienentwickler sind geneigt, das DGNB-System in ihre Projekte zu integrieren, weil das DGNB-Zertifikat am Markt als Qualitätssiegel anerkannt ist. Sie haben auch verstanden, dass das DGNB-System und seine Kriterien so früh wie möglich eingebunden werden sollten, nämlich bereits in der Entwurfsphase. So hilft beispielsweise die DGNB-Vorzertifizierung, die Nachhaltigkeit des gesamten Projekts zu verbessern und zudem einen nachvollziehbaren Pfad für spätere Prüfungen anzulegen“, erklärt Christine Lemaitre.

„Bis etwa 2008 gab es in Deutschland praktisch keinen Markt für nachhaltiges Bauen. Der Fokus ist in den letzten Jahren aber deutlich stärker geworden. Die Zahl der Architekten und Planer, die das DGNB-System anwenden, nimmt täglich zu. Heute ist es mehr oder weniger Standard, eine Zertifizierung für umweltgerechtes Bauen anzustreben und dafür das DGNB-System zu nutzen. Auf dem Neubaumarkt erzielt die DGNB sogar einen Anteil von 87 Prozent.“

DGNB-Zertifizierung zahlt sich aus

Wenn Niels Sloth seine Erfahrungen aus den zehn abgeschlossenen Projekten in der Region Nordjütland betrachtet, besteht für ihn kein Zweifel, dass sich die Kosten für eine Zertifizierung lohnen. Die Zertifizierung amortisiert sich schon allein dadurch, dass die Regionalverwaltung als Bauherr zusätzliche Kosten einspart, wie sie früher häufig durch Mängel und Verzögerungen entstanden.

„Ein neues Gesundheitszentrum in der Gemeinde Brønderslev kostete über 10 Millionen Euro, wobei die unvorhersehbaren Kosten gerade einmal 1 Prozent ausmachten, weil das Projekt so gut durchgeplant war. Seit wir nach dem DGNB-System bauen, haben wir keine Budgetüberschreitungen mehr, und daran werden wir so schnell nichts ändern“, so Niels Sloth.

FAKTEN: Nachhaltiges Bauen

  • Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. wurde 2007 von 16 Initiatoren aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Bau- und Immobilienbranche gegründet.
  • Der gemeinnützige Verein hat heute über 1.200 Mitglieder aus aller Welt.
  • Das DGNB-System bezieht alle wesentlichen Aspekte des nachhaltigen Bauens mit ein: ökologische, ökonomische, soziokulturelle und technische Qualität sowie Prozess- und Standortqualität.

Zum Erreichen einer DGNB-Zertifizierung muss ein Projekt eine ganzheitlich gute Bewertung unter Berücksichtigung aller Faktoren erhalten.