Eine Schule als Dorfgemeinschaftshaus

Als die Schule der dänischen Landgemeinde Nørre Vium schloss, wurde sie kurzerhand von den Bürgern gekauft – zunächst ohne Plan. Doch mit dem Architekturbüro von Erik Brandt Dam als engagiertem Ratgeber entstand ein preisgekröntes Mehrzweck-Kulturhaus, das heute den Treffpunkt für die ganze Gemeinde bildet.

Den Architekten ging es beim Umbau darum, die Bürger anzuhören und die positiven Qualitäten der alten Schule zu erhalten. Das Entfernen von Wänden, große neue Glaspartien, starke Farben und der Erhalt der alten Türen und Fliesen waren Teil des Konzepts.

Troldtekt, multikulturhuse

Die Geschichte des Sport- und Kulturzentrums von Nørre Vium erzählt von einer modernen Versammlungsstätte, die auf ein Fundament aus Engagement gebaut wurde. Von einer Landgemeinde, deren Bürger die Sache konstruktiv in die Hand nahmen, als ihre Schule mit der im Nachbarort zusammengelegt wurde. Und von Architektur, die eine ganz neue Form und Funktion erhielt, obwohl viel vom Alten bewahrt wurde.

„Das Dorf in der Schule“, wie das Projekt auch genannt wird, wurde 2017 als die beste Renovierung Dänemarks ausgezeichnet. Dabei legte die Jury Gewicht darauf, dass das Projekt trotz des markanten Wandels seine historische Bedeutung für die Bürger vor Ort bewahrt hat. 

Alles begann damit, dass die Bürger der Landgemeinde Nørre Vium die gerade geschlossene Schule kauften ohne zu wissen, was aus ihr werden sollte. Zur gleichen Zeit hatte die Stiftung Lokale- og Anlægsfonden in Dänemark einen Architektenwettbewerb ausgelobt, um Ideen dafür zu sammeln, wie man den ehemaligen Volksschulen des Landes neues Leben einhauchen kann. Durch den Wettbewerb fanden sich die Architekten von Erik Brandt Dam und die Bürger von Nørre Vium.

„Wir verwendeten drei Monate darauf, das Projekt gemeinsam mit einer Gruppe aus vier Bürgern zu entwickeln“, berichtet Architekt und Inhaber Erik Brandt Dam. „Das Haus sollte ein guter Business Case für uns werden und vom ersten Tag an rentabel funktionieren. Deshalb überzeugten wir die Kommunalverwaltung Ringkøbing-Skjern davon, die örtliche Kita in das Haus zu verlegen, um von Anfang an einen festen Mieter zu haben und schon morgens Leben in die Bude zu bekommen.“

Kinder mit eigenem Projekt
Das Architektenteam gab sich während des gesamten Prozesses bewusst zurückhaltend und hörte stets gut zu, anstatt mit einem fertigen Projektentwurf aufzuwarten.

„Die Schule war viele Jahrzehnte lang ein Versammlungsort der Landgemeinde, und für uns war es wichtig, mit dem Bestand und dem ideellen Wert der Gebäude zu arbeiten. Die Bürger in der Gruppe sollten stets wissen, dass dies ihr eigenes Haus ist und nicht die Vorstellung ihres Architekten. Auf diese Weise wird der Wert des neuen Hauses besser in der Gemeinde verankert“, erklärt Dam.

Die Umwandlung in ein Mehrzweck-Kulturhaus erforderte mehrere architektonische Kniffe. So wurden unter anderem das freistehende Lehrergebäude und ein angrenzendes Gemeindehaus abgerissen.

„Erstens hatten wir viel zu viele Quadratmeter. Zweitens wollten wir gern einen größeren Zusammenhang herstellen, und zwar durch den Abriss von Gebäuden, die mit dem Rücken zum Hauptgebäude standen“, berichtet Erik Brandt Dam.

„Jetzt gilt der Grundsatz, dass alle Gebäudeteile aufeinander ausgerichtet und Teil mehrerer Ganzheiten geworden sind. Die Kindergartenkinder können durch die Glaswände eine Konferenz der Arla-Molkerei sehen. Hier geht es um Transparenz und Nachbarschaft.“

Wandel ohne Revolution
In dem neuen Haus ist es gelungen, durch das Entfernen einer Geschossdecke und mehrerer Klassenzimmer einen Mehrzwecksaal zu schaffen. Alte Türen wurden erhalten und an mehreren Stellen mit Geländern ergänzt, die aus den alten Durchgängen französische Balkons mit Blick hinunter in den Saal machen. Auch Schilder, Fliesen und Waschbecken der alten Schule wurden bewahrt.

„Wir wollten gern zeigen, dass die Struktur einer alten Mittelpunktschule auch ohne radikalen Umbau verwandelt werden kann. So war es beispielsweise überraschend zu sehen, wie die alte Schule bereits einen völlig neuen Saal enthielt, den wir durch das Abreißen von Wänden und Decken nur freizulegen brauchten“, berichtet Dam.

Gemeinsam mit den Bürgern holte er die Künstlerin Malene Bach in das Projekt, um eine unabhängige Meinung zur Farbgebung zu erhalten.

„In der Schule gab es ursprünglich viele Farben. Zwischen ihnen gab es wenig Zusammenhang, wir stellten aber dennoch fest, dass sie etwas Gutes an sich hatten“, berichtet Erik Brandt Dam. „Malene Bach hat für die verschiedenen Materialien im neuen Haus eine Palette aus starken 1960er-Farben zusammengestellt und so eine klare Identität geschaffen.“

Decken mit Authentizität und Seele
Die Farbplanung erstreckte sich auch auf die Linoleumböden, die mit den Troldtekt-Decken harmonieren. So wurden beispielsweise schwarze Decken dort gewählt, wo die Bodenbeläge rot sind. In anderen Räumen wurden Troldtekt-Platten in Natur hell verbaut, um besonders ruhige Flächen zu erzeugen. Troldtekt sei eine bewusste Wahl, denn das Material ließ sich gut in das Projekt integrieren, meint Erik Brandt Dam:

„Wenn ein Haus für Sport, Feiern, Konferenzen und als Kita genutzt wird, bringt dies akustische Herausforderungen mit, die wir lösen wollten, ohne das ganze Haus inwendig in schallschluckende Materialien zu hüllen. Troldtekt hat einen ehrlichen Ausdruck, der sehr gut in diesen Zusammenhang passt. Man kann sehen, was es ist, und das hat Authentizität und Seele.“ 

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Foto:
Architekt und Inhaber Erik Brandt Dam

Fakten: Nørre Vium Sports- og Kulturcenter

TROLDTEKT-PRODUKTE:

  • Deckenverkleidung: Troldtekt Akustikplatten
  • Farbe: Natur Hell und Schwarz 207
  • Struktur: Ultrafein (1,0 mm Holzwolle)
  • Kantenprofil: Gerade Kante, K0, montiert mit Troldtekt-Schrauben

 Mehr über das Projekt in der Troldtekt Referenzensektion >

Thema: Mehrzweck-Kulturhäuser

Dieser Artikel ist Teil des Troldtekt Themas über Mehrzweck-Kulturhäuser. Hier stellen wir Ihnen die Ansichten der Experten vor, zu den zahlreichen neuen Mehrzweck-Kulturhäusern, die in den letzten Jahren eröffnet wurden. 

In den Städten und auf dem Land dienen diese Bauten als Treffpunkte für Bürger, die dort gemeinsam Sport treiben, essen oder tanzen und Kulturveranstaltungen durchführen.

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