Schreibtisch Ade? So wird sich die Bürogestaltung verändern

Schreibtisch Ade? So wird sich die Bürogestaltung verändern

Corona hat dazu geführt, dass Büroumgebungen neu definiert werden müssen. Jeder hat selbst erlebt, dass man zum Arbeiten nicht unbedingt ein Büro braucht, aber wozu sollen die Büroräumlichkeiten genutzt werden? Laut Architekt und Partner Julian Weyer von C.F. Møller Architects wird das Büro eine zunehmend soziale Funktion einnehmen.

Laut Julian Weyer, Partner und Architekt bei C.F. Møller Architects, ist die Corona-Pandemie ein Augenöffner in Bezug auf moderne Büroarbeitsplätze gewesen: 

„Wir wussten es natürlich schon lange vorher, aber während der Pandemie haben wir wirklich erlebt, dass die Arbeit nicht unbedingt in einem Büro erledigt werden muss. Im Verlauf des Jahres 2020 fanden die Unternehmen heraus, wer wirklich ein Büro benötigte, und wer nicht. Und deshalb sind viele Unternehmen gerade dabei, die Bedeutung von Büros neu zu definieren“, erklärt er.

„Büroarbeit kann überall erledigt werden, aber um die Arbeit sinnvoll und effizient abwickeln zu können, brauchen wir auch Orte der Begegnung. Die Funktion der Büros verändert sich daher von einem Ort, an dem wir am Schreibtisch arbeiten, in einen Ort, an dem wir uns treffen“, ergänzt er.

Die Rolle des Schreibtisches verliert an Bedeutung

Für viele Büros bedeutet dies, dass die Anzahl der festen Büroplätze reduziert wird. Die Bedeutung des Schreibtisches hat sich nämlich während der Pandemie verändert.

„Der Schreibtisch war früher der Standard für Büroarbeitsplätze. Vom Arbeitgeber wurde erwartet, einen Schreibtisch zur Verfügung zu stellen, der für die Mitarbeiter zu einer Art persönlichem Raum wurde. Aber der Schreibtisch hat wohl niemanden wirklich zufrieden gestellt. Was jetzt passiert, ist, dass der Schreibtisch mehr und mehr zu einer persönlichen Wahl wird“, so Julian Weyer.

„Ich für meinen Teil habe nichts gegen den Schreibtisch. Ich gehe gerne aus dem Haus, aber ich brauche einfach einen Schreibtisch, um meine Skizzen zu zeichnen und meine anderen Arbeitsgeräte zu benutzen. Das gilt jedoch nicht für alle, weshalb zukünftig weniger Schreibtische benötigt werden“, meint er.

Das Büro als sozialer Raum

Julian Weyer betont, dass der Schreibtisch im Büro für all diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, sich ein sinnvolles Homeoffice einzurichten, immer noch eine Berechtigung hat. Aber er sieht eine Bewegung weg von den individuellen Arbeitsplätzen in Richtung eines Büros, das eine andere Funktion erfüllt.

„Wir brauchen die Büros als Treffpunkte, an denen wir uns mit Kollegen austauschen können. Daher beobachten wir momentan, dass an vielen Arbeitsplätzen stattdessen andere Bereiche der Büroräumlichkeiten erweitert werden. Und das sind Orte, an denen wir uns treffen können – entweder zu formellen Besprechungen, zu Online-Meetings oder zu gelegentlichen Meetings mit Kollegen“, erklärt er.

„Das Büro wird zum sozialen Raum, dessen Daseinsberechtigung es sein wird, den Mitarbeitern einen Grund zu geben, persönlich zu erscheinen“, so Julian Weyer.

Das Stille mit dem Aktiven verbinden

Aber der Übergang vom klassischen Büro zum „sozialen Büro“ stellt Designer auch vor Herausforderungen.

„Wenn die Rahmenbedingungen für die Büroarbeit persönlicher werden, entstehen natürlich auch große Unterschiede in Bezug auf Umgangsformen und Geräuschpegel. Hier ist es wichtig, dass die neue Bürogestaltung Zonen schafft, die ein soziales Miteinander ermöglichen, während gleichzeitig auch ein vertieftes und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Und das, ohne neue Grenzen oder Barrieren zu schaffen, die den Zusammenhalt einer Organisation schwächen“, erklärt Julian Weyer.

„Eine geglückte Bürogestaltung hängt davon ab, ob Ruhezonen und aktive Zonen so miteinander verflochten werden, dass der Weg von der einen Zone zur anderen nie zu weit wird, damit beide eine natürliche und attraktive Entscheidung darstellen“, sagt er abschließend.

Mehr über C.F. Møller Architects

  • F. Møller Architects ist eines der führenden Architekturbüros in Skandinavien. Das Unternehmen blickt auf mehr als 90 Jahre preisgekrönte Projekte in den skandinavischen Ländern und in anderen Teilen der Welt zurück.
  • F. Møller Architects unterhält Büros in Dänemark, Norwegen, Schweden, England und Deutschland.
  • Die Vision des Unternehmens ist es, das Leben für die Menschen und für den Planeten zu verbessern.
Troldtekt, Julian Weyer

FOTO:

Julian Weyer, partner und architekt bei C.F. Møller Architects.