Menschliche Faktoren als Richtlinien für gute Akustik

27:e maj. 2016

Dr. Christian Nocke vom Akustikbüro Oldenburg gehört zu den weltweit führenden Experten im Bereich Raumakustik. Am 31. Mai 2016 sprach er auf dem DBZ Fachforum Akustik in Dortmund über die Auswirkungen der Akustik in Büros.

Hier stellen wir Ihnen seine Ansichten dazu vor, wie man in einer Büroumgebung eine gute Akustik umsetzen kann. 

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Wie groß ist das Problem schlechter Hörsamkeit in Büroumgebungen?

Studien haben gezeigt, dass Geräusche einen der drei größten Störfaktoren in Großraumbüros darstellen. Derartige Untersuchungen zeichnen seit Jahren immer wieder ein ähnliches Bild.

Was sind in Bezug auf die Akustik die wichtigsten Aspekte, die beim Planen neuer Büroräume beachtet werden müssen?

Die Anzahl der Mitarbeiter wirkt sich nur geringfügig auf die Möglichkeiten für das akustische Design aus. Dafür spielen aber die ausgeführten Arbeiten im Raum eine wichtige Rolle.

So unterscheidet sich zum Beispiel ein Callcenter, in dem viele Telefongespräche stattfinden, von einem Büro, in dem die Mitarbeiter für gewöhnlich leise arbeiten. Das Verhältnis zwischen Konzentration und Kommunikation bei der Arbeit definiert die akustischen Anforderungen. Die Akustiker sollten diese menschlichen Faktoren als Richtlinien miteinbeziehen – anstatt nur Materialien, Oberflächen und technische Ausstattungsmerkmale des Raumes zu betrachten.

Wenn die Akustik in einem Büro schlecht ist: Welche Maßnahmen können die Hörsamkeit verbessern?

Um eine objektive Darstellung von „schlechter Akustik“ zu erhalten, empfehlen wir in der Regel, die Akustikleistung eines Raumes zu messen. Dazu gehören die Nachhallzeit, Sprachverständlichkeit und weitere Faktoren. Auf Grundlage dieser Bewertung können wir unter Berücksichtigung des Raummodells präzise vorhersagen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um eine optimale Hörsamkeit im Raum zu gewährleisten.

Daneben ist die Wahl der Oberflächenmaterialien wichtig, ebenso wie zahlreiche weitere Faktoren, die sich auf die Entscheidung auswirken. Viele konzentrieren sich nur auf die Auswahl der schallabsorbierenden Materialien. Aber es ist genauso wichtig, deren Anordnung und die Größe des damit ausgestatteten Bereichs zu berücksichtigen. So kann es zum Beispiel besser sein, eine gesamte Wand oder Decke mit einem Material zu versehen, das 50 Prozent des Schalls aufnimmt, anstatt nur die Hälfte der Oberfläche mit einem Material abzudecken, das den Schall stärker absorbiert.

Wie kann man die speziellen Anforderungen an die Hörsamkeit in bestimmten Arten von Räumen, wie zum Beispiel in Callcentern und Besprechungsräumen, berücksichtigen?

Besprechungsräume und Callcenter sind sehr unterschiedlich – genauso wie sich eine Oper stark von einem Theater unterscheidet.

In einem Besprechungsraum konzentriert sich die Lösung auf eine gute Sprachverständlichkeit über kurze und lange Entfernungen zwischen dem Sprechenden und dem Zuhörer.  In einem Callcenter hingegen ist es erforderlich, die Geräusche zu dämpfen und die Sprachverständlichkeit nur über kurze Entfernungen zu gewährleisten. In Bezug auf die Akustik sind diese Räume also sehr unterschiedlich und erfordern daher verschiedene Lösungsansätze.

Gibt es neue Trends, die die akustischen Anforderungen bei der Büroplanung in Zukunft beeinflussen werden?

Einige der neuen Trends, wie zum Beispiel umweltfreundliche Gebäudekonstruktionen oder Glas als beliebtes Material, beeinflussen ganz allgemein die Akustik. Oder anders ausgedrückt: Während die Anforderungen an Büroumgebungen gleich bleiben, müssen die Materialien und Verfahren angepasst werden, mit denen eine gute Akustik erreicht werden kann.

Zudem gibt es heutzutage viel mehr Kommunikationstechnologie in den meisten Büros. Das ist auch ein Faktor, den es beim Planen einer optimalen Büroakustik zu berücksichtigen gilt.

Über Dr. Christian Nocke

  • Experte für Geräuschemissionen sowie Bau-und Raumakustik
  • Gründete 2000 das Akustikbüro Oldenburg
  • Ehemaliger Leiter der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Akustik e. V.
  • Autor des Buches „Raumakustik im Alltag: Hören – Planen – Verstehen“, Fraunhofer IRB Verlag.