Der Bau von Kitas profitiert von einem spielerischen Ansatz

31:a jul. 2019

Um eine gute Architektur für Kinder zu gewährleisten, müssen Kinder als Nutzer ernst genommen und ihre einzigartige Perspektive im Design berücksichtigt werden.

Das ist die Botschaft der zwei erfahrenen Architekten Prof. Jens Ludloff und Nathalie Dziobek-Bepler. Wird es richtig angestellt, kann die Architektur die Entwicklung der Körper und Gehirne der Kinder unterstützen.  

FOTO: ©Anne Deppe

Troldtekt - Der Bau von Kitas profitiert von einem spielerischen Ansatz

An eine Aufgabe immer aus der Perspektive der Kinder herangehen ist der wichtigste Ratschlag der zwei erfahrenen Architekten Prof. Jens Ludloff von Ludloff+Ludloff und Nathalie Dziobek-Bepler, Dipl.-Ing. Architektur, von Baukind UG. Angesichts des bundesweiten Mangels an Kita-Plätzen dürfte die Nachfrage nach neuen Einrichtungen in den kommenden Jahren zunehmen und den Akteuren reichlich Möglichkeiten bieten, deren Architektur Phantasie, Verspieltheit und Entwicklung unterstützt.

„Architektur für Kinder ist ein sehr spezialisiertes Feld mit vielen Vorschriften und hohem Planungsbedarf. Die Arbeit erfordert einerseits spezielle Kenntnisse zum Beispiel von Sicherheitsvorschriften, aber andererseits ist sie spielerisch und profitiert von einem spielerischen Ansatz. Gute Architektur kann Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen, indem sie Möglichkeiten bietet, die sozialen und motorischen Fähigkeiten zu trainieren“, sagt Nathalie Dziobek-Bepler, die sich seit ihrer Gründung von Baukind vor acht Jahren auf Architektur für Kinder spezialisiert hat.

Ihre Perspektive wird von Jens Ludloff geteilt, zu dessen jüngster Arbeit die Botschaft für Berlin in Berlin von SOS-Kinderdorf zählt.

„Unserer Erfahrung nach erfordert das Bauen für Kinder andere Formen der Kommunikation als das Bauen für Erwachsene, zumindest wenn wir Kinder als Nutzer mit individuellen Bedürfnissen ernst nehmen. Das bedeutet, dass für die Auseinandersetzung mit den Nutzern, die einen Teil ihres Lebens in unserer Architektur verbringen, eine geeignete Form gefunden werden muss, z. B. in Form von Workshops, damit spezifische Bedürfnisse in den Gestaltungsprozess einfließen können“, sagt Jens Ludloff.  

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Bauen für wachsende Körper und Köpfe

Gute Kitas zu bauen bedeutet, Architektur zu entwerfen, die nicht nur den Bedürfnissen der Kinder entspricht. Sie muss auch den Bedürfnissen der Erwachsenen gerecht werden, die sich um die Kinder kümmern. Dazu gehört die Berücksichtigung unterschiedlicher Lehr- und Pädagogikkonzepte sowie die Förderung unterschiedlicher Persönlichkeiten unter den Kindern.

„In unseren Entwürfen versuchen wir immer, die Selbstständigkeit zu fördern, indem wir sicherstellen, dass die Kinder so viel wie möglich selbst tun können. Daher entwerfen wir beispielsweise Garderoben mit erreichbaren Haken und Wasserhähne, die von kleinen Händen bedient werden können. Wir versehen die meisten Wände mit Fenstern, damit sich die Kinder beim Spielen gegenseitig beobachten können. Es ist auch gut, Räume zur Verfügung zu stellen, in denen die Kinder sie selbst sein können“, sagt Nathalie Dziobek-Bepler.   

FOTO: ©HEJM

Wer ein Kind schon mal mehr als zwei Minuten beobachtet hat, weiß, dass sich Bewegungen und Aktivitäten der Kinder, von denen der Erwachsenen unterscheiden. Gute Kinderarchitektur bietet reichlich Möglichkeiten zum Laufen, Klettern, Krabbeln und Springen.

„Wir versuchen, multifunktionale Elemente in all unsere Entwürfe mit einzubeziehen. Zum Beispiel ein rundes Waschbecken in den Toiletten, um das die Kinder herumlaufen können, Matratzenschränke, die als Kletterplattformen und Verstecke dienen, und Verstecke unter Treppen und durch Wände. Gerade in Innenstadtbereichen wie denen von Berlin, wo der Außenraum begrenzt ist, ist es wichtig, unabhängig vom Wetter und dem Zugang zu Außenspielplätzen, Bewegung zu fördern“, sagt Nathalie Dziobek-Bepler.   

Umgestaltung von Gebäuden für Kinder

In vielen Fällen beginnt das Entwerfen einer Kita nicht auf einem leeren Blatt Papier, sondern mit der Umwandlung eines bestehenden Gebäudes.

„Wir haben eine Zukunft des Umbaus und der Instandsetzung vor uns. Durch den Fokus auf den Ressourcenverbrauch unserer Bauindustrie und die gebotene Reduzierung der grauen Energie wird der Umbau dem Abriss und Neubau immer mehr vorgezogen werden. Diese Denkweise fängt gerade erst an sich zu verbreiten. Aber wenn wir die sozialen und energietechnischen Fragen ernst nehmen, ist das die logische Konsequenz“, sagt Jens Ludloff. 

Nathalie Dziobek-Bepler schätzt, dass es bei 70 Prozent der Projekte von Baukind um die Umwandlung bestehender Gebäude geht. Dabei werden Elemente wie Farben, Raumteiler und Akustikplatten verwendet, um das jeweilige Gebäude an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen.   

„Wir arbeiten viel mit Farben und Formen, um den Kindern eine Gruppenidentität zu geben und ihnen zu helfen, ihren eigenen Bereich zu finden. Zum Beispiel indem jeder Gruppe ein eigenes Tier und eine Farbe gegeben wird, und dann die Farben aller Gruppen in den gemeinsamen Räumen verwendet werden. Wir legen immer viel Wert auf Akustik, da sie sehr wichtig für das Wohlbefinden ist, auch wenn man es nicht bewusst bemerkt. Dabei kommen vor allem Akustik-Deckenplatten zum Einsatz, obwohl wir manchmal auch Platten an den Wänden verwenden, insbesondere in älteren Berliner Gebäuden, wo die Deckenhöhe ein Problem sein kann“, sagt Nathalie Dziobek-Bepler.

Troldtekt-Interview mit Dipl.-Ing. Architektur Nathalie Dziobek-Bepler von Baukind UG über den Bau von Kitas und eine gute Architektur für Kinder

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Dipl.-Ing.Architektur Nathalie Dziobek-Bepler, Baukind UG.

©Christoph Musiol

Über Baukind

  • Baukind wurde 2011 gegründet und ist auf Architektur für Kinder spezialisiert.
  • Baukind arbeitet hauptsächlich in Berlin, hat aber bereits in den meisten Teilen Europas Projekte durchgeführt.
  • Das Architekturbüro beschäftigt 13 Mitarbeiter, darunter Produktdesigner und Landschaftsarchitekten.
  • Baukind verfolgt bei seinen Entwürfen einen ganzheitlichen Ansatz und gestaltet daher von Räumen und Spielplätzen über Türklinken bis hin zu Seifenspendern alles aus Kinderperspektive.
Troldtekt-Interview mit Prof. Jens Ludloff von Ludloff+Ludloff über den Bau von Kitas und eine gute Architektur für Kinder

FOTO:
Prof. Jens Ludloff, Ludloff+Ludloff

Über Ludloff+Ludloff

  • Ludloff+Ludloff wurde 2007 von Laura Fogarasi-Ludloff und Jens Ludloff gegründet.
  • Das Unternehmen hat international anerkannte Gebäude für Lehre, Ausbildung, Sport und Wohnen realisiert.
  • Ludloff+Ludloff gewann zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Iconic Award und den BDA Berlin Preis für die Botschaft für Kinder in Berlin von SOS-Kinderdorf.

THEMA: Bessere Kindereinrichtungen

Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat ein regelrechter Babyboom in Deutschland Druck auf die Tageseinrichtungen ausgeübt.

Konkret bedeutet dies, dass in ganz Deutschland bis zu 300.000 Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren fehlen. 

Architekten und andere in der Baubranche erhalten daher die Möglichkeit, ihre Kräfte an mehreren Einrichtungsprojekten zu messen.

Aber wie entwirft man die bestmögliche Kindereinrichtung? Darauf fokussieren wir auf dieser Themenseite

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