In Deutschland gibt es eine fest verankerte Badekultur und es besteht eine hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schwimmbädern, Thermalbädern und Freizeitbädern. Der Markt ist jedoch durch veraltete kommunale Schwimmbäder gesättigt, die hohe Defizite erwirtschaften. 

Die Antwort für die Kommunen laute, regionaler zu denken, um einerseits unterschiedliche Angebote anzubieten, und andererseits bei größeren Einrichtungen zu kooperieren, meint der Bäderexperte und  ehrenamtliche Präsident der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen e. V. Dr. Stefan Kannewischer.

Akustikplatten von Troldtekt in der Schwimmbadarchitektur

Deutschlandweit sind Gemeinden beim Thema öffentliche Bäder mit einem Dilemma konfrontiert. Trotz zunehmenden Interesses für Schwimmsport und einer großen Nachfrage nach Schwimmbädern sind viele kommunale Bäder entweder 40-50 Jahre alt, ein Sanierungsfall oder nur mit Zuschüssen zu betreiben.  

Nach Dr. Stefan Kannewischer, Präsident der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen e. V. (IAKS), gibt es keine einfache Lösung für die Modernisierung der deutschen Bäder. Neben seiner Tätigkeit für den IAKS ist Dr. Stefan Kannewischer im Hauptberuf Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens für Bäder, das auch Thermalbäder in fünf deutschen Städten betreibt.  Mit seinen im Bädermarkt gesammelten Erfahrungen versteht er die Schwierigkeiten, wenn veraltete Bäder auf den heutigen modernen Standard gebracht werden sollen.

„Viele Gemeinden sind gefangen zwischen ihrer finanziellen Situation und den veralteten Bädern, die normalerweise mit einem Defizit von 50 Prozent oder höher betrieben werden. Bei vielen dieser Bäder handelt es sich um Freibäder aus den 1920ern und Hallenbäder aus den 1960ern und 1970ern. Kurzum: Wir brauchen ganz einfach bessere Bäder. Zwar versuchen einige Gemeinden, ihre Bäder zu privatisieren. Aber leider haben wir schon viele dieser öffentlich-privaten Partnerschaften scheitern gesehen. Andere haben es mit kostengünstigen Lösungen versucht, indem sie Freibäder in der kälteren Jahreszeit mit aufblasbaren Zelten überdachen. Das ist aber keine praktikable Lösung“, sagt Dr. Stefan Kannewischer.  

Der Wert der Bäder muss im Mittelpunkt stehen
Trotz der Herausforderungen ermahnt Dr. Stefan Kannewischer Bürgermeister und Gemeinden dazu, Bäder und ihren Wert, den sie für eine Community haben können, optimistisch zu betrachten. 

„Im Moment werden Bäder als problematisch empfunden, aber wir sollten im Allgemeinen nicht pessimistisch sein. Schwimmen und Baden werden immer beliebt sein und ein gutes Bad kann für eine lokale Community von hohem Wert sein. Als Ort, wo die Kinder Schwimmen lernen, als Sportanlage und als sozialer Treffpunkt. Aber die Nachfrage verändert sich und wir müssen uns daran anpassen.“ 

Eine Untersuchung des regionalen Marktes ist erforderlich
Einen Teil der Lösung sieht Dr. Stefan Kannewischer darin, dass Gemeinden stärker regional denken und Angebot und Nachfrage der unterschiedlichen Badeanlagen in ihrer Region überprüfen sollen, bevor sie sich für die Sanierung eines alten oder den Bau eines neuen Bades entscheiden. In einigen Regionen gibt es bereits Gemeinden, die sich zusammen größere Räumlichkeiten teilen, oder wo das eine Dorf für das Hallenbad und das andere Dorf für das Freibad zuständig ist.

„Der richtige Projektansatz ist unerlässlich. Zunächst müssen Sie den Markt und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzer untersuchen. Wenn die benachbarte Stadt ein Spaßbad anbietet, dann sollten Sie vielleicht lieber ein Wellnessbad bauen. Nur dann können Sie das richtige Team für Planung, Finanzierung und Betrieb des Bades auswählen. Je nach Art des Bades ist das Team sehr unterschiedlich. Beispielsweise ist bei einem größeren Freizeitbad ein privater Betreiber erfahrungsgemäß besser geeignet. Jedes Bad ist anders. Daher müssen wir eine vielfältige Bäderlandschaft bauen“, sagt Dr. Stefan Kannewischer. 

Zwei Arten von Multifunktionalität
Die Vielfalt beschränkt sich nicht auf verschiedene Arten von Bädern. In ihrer Broschüre „Zukunftstrends 2020“ weist die IAKS auf die zunehmende Bedeutung von Multifunktionalität für Sport-und Freizeiteinrichtungen hin. Dabei kann es sich sowohl um sportliche Multifunktionalität handeln als auch um einer Mischung aus sportlichen und nicht-sportlichen Einrichtungen, wo mehrere verschiedene Community-Funktionen unter einem Dach versammelt sind.

„Da die Wasseroberfläche sehr teuer ist, kann ein beweglicher Boden zur Änderung der Wassertiefe sinnvoll sein, sodass dasselbe Becken vom Trainingsbecken für Kinder zu einem Übungsbecken für ältere Menschen verwandelt werden kann. Das Bad kann auch mit kulturellen oder Gesundheitseinrichtungen kombiniert werden. Die Einrichtung Hebburn Central in einem Außenbezirk von Newcastle ist dafür ein gutes Beispiel. Auf dem Nachhauseweg vom Schwimmen können die Kinder dort auch gleich noch die Bibliothek besuchen“, sagt Dr. Stefan Kannewischer.  

Fakten über die IAKS

 

 

  • Die Internationale Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen e. V. wurde 1965 mit dem Ziel gegründet, sich weltweit für hochwertige, funktionale und nachhaltige Sportanlagen einzusetzen.
  • Sie ist die einzige gemeinnützige Organisation, die sich weltweit mit der Entwicklung von Sport- und Freizeiteinrichtungen beschäftigt.
  • Die IAKS identifiziert und fördert neue Trends für das aktive Leben und erleichtert den Austausch von Wissen und Ideen zwischen Architekten, Ingenieuren, Nutzern, Designern, Kommunen, technischem und operativem Management, Sportverbänden und -vereinen.
  • Lesen Sie mehr auf https://iaks.org
Deutschland braucht eine vielfältige Bäderlandschaft  | Troldtekt

Foto:
Dr. Stefan Kannewischer,
Präsident der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen e. V. (IAKS).

Thema: Schwimmen in guter Architektur

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