Gespräch mit Architekt Kim Utzon, MAA
Architektur auf hohem Niveau
Architekt Kim Utzon begrüßt seine Gäste im Büro, das in hellen Räumen in einer attraktiven Gegend am Hafen von Kopenhagen liegt, nur wenige Schritte vom Schloss Amalienborg, des Königspalastes Dänemarks, entfernt. Nach Westen mit Blick auf einem großen Park und nach Osten mit Blick auf den Hafen mit Kreuzfahrtschiffen und die neue Oper. Es ist deutlich, dass Kim Utzon eine überaus inspirierende Basis für sich und seine 14 Mitarbeiter gefunden hat.
Architektonische Signatur Charakteristisch für die Arkitektur von Kim Utzon Architects ist eine sehr klare und einfache Haltung gegenüber Material, die die architektonische Idee voll unterstützt. Bei den tragenden Konstruktionen handelt es sich oft um sichtbare Betonelemente – Säulen, Träger, Doppel-T-Profile –, die zu einem flexiblen und additiven Bausystem zusammengesetzt sind, das sich für viele Zwecke anwendbar erwiesen hat. Es begann mit dem Möbelhaus Paustianim Jahr 1987, seitdem sind eine ansehnliche Reihe von Objekten entstanden, sowohl in Dänemark wie auch im Ausland. In Helsingborg, Schweden, hat Kim Utzon beispielsweise ein Kulturhaus von 16.000 m2 nach den gleichen Prinzipien bauen lassen, die auch Paustian zugrunde liegen.
Wenn man bei einem großen Bauvorhaben mit relativ wenigen verschiedenen Materialien arbeitet, kommt dem einzelnen Produkt eine besonders große Bedeutung für die Gesamtheit zu. Kim Utzon hat sich bei den meisten seiner Gebäuden für Holzwolleleichtbauplatten als Akusikdecke entschieden, und damit ist Troldtekt zu einem wichtigen Teil seiner architektonischen Signatur geworden.
Kindheit, Jugend und beruflicher Werdegang Kim Utzon wurde 1957 geboren, nur 4 Wochen bevor sein Vater den Wettbewerb um das Opernhaus in Sydney gewann. Dieses Bauobjekt sollte das Leben der Familie und den größten Teil seiner Kindheit prägen. Er wuchs in einem sehr kreativen Milieu auf, in dem Architektur und künstlerische Entfaltung einen wesentlichen Teil des Alltags darstellten. Sein Elternhaus lag mitten in einem Buchenwald bei Hellebæk in Nordseeland, hier bildeten die Natur, das Licht und das Wechseln der Jahreszeiten eine wichtige Inspirationsquelle für die Arbeit des Vaters als Architekt.
Von 1963 bis 1966 lebte die Familie Utzon in Australien. Dieser Aufenthalt in der exotischen Umgebung Sydneys wurde ebenfalls zu einem Teil seines kulturellen Ballasts. Der weltberühmte Vater und dessen Rang als einer der besten Architekten des 20. Jahrhunderts haben Kim Utzons eigene Karriere natürlich geprägt, im Guten wie im Schlechten. Doch hat er es vermocht, alle Erwartungen und Vorurteile in eine positive und energische Triebkraft zu verwandeln, die so charakteristisch ist für viele Mitglieder der Familie. Er hat zahlreiche Preise für seine Architektur erhalten; 2001 wurde er vom Rat der Akademie, einem Organ des dänischen Architektenverbandes, mit der vornehmen Eckersberg-Medaille ausgezeichnet.
Möbelhaus Paustian Nach Abschluss seiner Ausbildung an der Architektenschule der Kunstakademie arbeitete Kim Utzon bei verschiedenen Architekturbüros, um praktische Erfahrung zu sammeln. Er war fest entschlossen, nicht in der Familienfirma zu arbeiten, die von Jørn Utzon und dessen Bruder Jan gemeinsam geleitet wurde. Diese Entscheidung wurde allerdings für eine Weile ausgesetzt, als der Möbelhändler Ole Paustian anrief und einen 2.000 m2 großen Showroom im Kopenhagener Nordhafen bestellte. Im Architekturbüro hatte man alle Hände voll zu tun, daher konnte diese Aufgaben nur gelöst werden, wenn Kim die Verantwortung dafür übernehmen würde. Das war der Startschuss für die Perlenreihe von Gebäuden, die in den letzten knapp 20 Jahren entstanden sind.
Kim Utzon berichtet: „Paustian war mein erstes Objekt als verantwortlicher Architekt. Der Bauherr Ole Paustian, eine visionäre und dynamische Persönlichkeit, wollte ein Haus mit außergewöhnlichen architektonischen Qualitäten, aber auch einen preisgünstigen Bau. Er sah als erster die Möglichkeiten, die sich bei einer Bebauung der Hafenflächen am Werk "Svanemølle" boten.“
„Die Zusammenarbeit mit meinem Vater war sehr inspirierend, aber weil er im Winter in Spanien lebte und dort weder über Telefon noch über Fax verfügte, nicht immer ganz einfach. Im Alter von 28 Jahren musste ich plötzlich auf eigenen Füßen stehen und habe durch dieses Bauobjekt eine Menge über Beton und rationelles Bauen gelernt. Eine grundlegende Erfahrung, auf der ich in den folgenden Jahren als selbstständiger Architekt bauen konnte.“
Ein Säulenwald „Die tragende Idee ist ganz einfach eine große Halle aus einem Wald von hohen, schlanken Säulen mit in verschiedenen Ebenen eingesetzten Decken. Ein gläserner Dachreiter in der gesamten Länge des Hauses ergibt ein sehr abwechselndes Tageslicht, das aktiv mit den vielen Säulen und offenen Balkons spielt. Zugleich hat man durch große, nach Westen gehende Glaspartien den Blick aufs Wasser und den Hafen.“
„Akustik ist ein Gebiet, auf dem wir viel Erfahrung haben. Im Grunde geht das auf den Bau der Oper in Sydney zurück, aber auch spätere Projekte wie eine Kirche in Bagsværd, Dänemark, waren allein von der Akustik her anspruchsvoll. Bei Möbehaus Paustian braucht das Hauptgebäude die Akustik eines großen Raums, daher präsentieren sich Zwischendecken und Decken als rohe Betonelemente, die so genannten Doppel-T-Balken. Der hohe, voluminöse Raum muss außer für die Möbelausstellung für verschiedene Events wie Konzerte u. ä. genutzt werden können. Daher ist eine relativ lange Nachhallzeit von Vorteil und deshalb war keine Schalldämmung erforderlich.“
Die Qualitäten von Holzwolleleichtbauplatten
„In dem kleineren Nebengebäude mit dem Restaurant, waren Ruhe und eine gute Akustik dagegen unerlässlich. Ole Paustian achtete sehr auf diesen Punkt, denn er ist selbst sehr empfindlich gegenüber Lärm in Restaurants – man muss das Essen in Ruhe genießen und sich dabei unbeschwert unterhalten können. Wir entschieden uns daher für helle Holzwolleleichtbauplatten auf einer Holzlattung. Das harmoniert hervorragend mit dem weißgestrichenen Raum und der schlichten Möblierung mit dunkelblauen Aalto-Möbeln.“
„Damals benutzte ich zum ersten Mal Holzwolleleichtbauplatten, seitdem ist dieses Material ein so gut wie fester Bestandteil der Gebäude. Wenn wir als Architekten ab und zu ein anderes Material ausprobieren, endet es immer damit, dass wir wieder bei Troldtekt landen. Gipslochplatten sind steriler in ihrem Ausdruck, und mich begeistert die vitale Stofflichkeit und das reiche Farbenspiel der Holzwolleleichtbauplatte. Außerdem handelt es sich ja um ein reines Naturprodukt, ganz wie Beton, und das passt perfekt zu der architektonischen Grundhaltung, wie sie in den Gebäuden zum Ausdruck kommt. Wir haben auch Troldtekt in einem Raum hier in der Firma und man kann direkt sehen, wie der Raum dadurch eine wärmere Glut erhält.“
Nollis Plan
In Umgehbung von Möbelhaus Paustian hat Kim Utzon nun eine Reihe Gebäude errichten lassen, die auf den gleichen konstruktiven Prinzipien bauen und zusammen ein städtebauliches Ganzes bilden. Dieser Hauptplan hat seinen Namen nach Giambattista Nolli, der Rom im etwa Jahr 1750 aufgezeichnet hat. Wie auf der antiken Karte ist auch Utzons Plan so gezeichnet, dass die öffentlichen Räume der Gebäude durch die Plazierung der Säulen markiert sind während die privaten Flächen sich als schwarze Massive markieren.
Kim Utzon: „Die Gebäude liegen wie Scharniere aneinandergereiht, zentraler Drehpunkt ist der Bootsverein, der die verschiedenen Richtungen vermittelt. Ab ersten Stock können die Gebäuden im Prinzip beliebig genutzt werden. Grundgedanke ist, dass das Erdgeschoss öffentlich ist und damit einen Beitrag zum Leben auf der Straßenebene leisten soll.
Hauptsitz für AHTS
Das Hauptsitz des dänischen Arbeitgeberverbandes für Handel, Transport und Service (AHTS), das zum Möbelhaus Paustian grenzt, hat Grundflügel von 57 x 24 Metern, in denen Büros um ein überdachtes Atrium in der gesamten Höhe des Hauses plaziert sind. Die Eingangshalle ist vornehm geformt mit einem Empfang, der mit einer von Künstlerin Lin Utzon gestalteten keramischen Wand geschmückt ist. Das Atrium wird von Tageslicht durchflutet, das teils durch einem längsgehenden gläsernen Dachreiter und teils durch die Glasfassade zum Hafen einfällt.
Kim Utzon sagt: „Im Gegensatz zu Paustian handelt es sich hier nicht um einen großen Raum für Ausstellungszwecke, sondern um ein Bürogebäude mit Besprechungsräumen und ständig klingelnden Telefonen. Hier sind die Decken als Deckensegel gestaltet, die zwischen den Betonrippen schweben“. Über der Troldtekt-Akustikdecke liegt noch eine zusätzliche Schalldämmung (Mineralwolle) und auf diese einfache Art und Weise wurde in dem aktiven Haus für ein angenehmes Schallklima gesorgt. Das funktioniert sehr gut!“
Die Gebäuden von Kim Utzon stellen besondere Anforderungen an die Dimensionen der Holzwolleleichtbauplatten. Um die Troldtekt-Platten zwischen die Rippen der Doppel-T-Elemente mit ihrem Modul von 60 cm einpassen zu können, muss die Breite der Holzwolleleichtbauplatten vom Standard 60 cm auf 40 cm reduziert werden. Mit Luft zwischen den verschiedenen Materialien und entsteht somit einen Eindruck von visueller Leichtigkeit. Zudem betont die Holzwolleleichtbauplatten das konstruktive Prinzip durch den Kontrast zwischen Deckensegel und Rippen.
Harbour House Das neuste Utzon-Gebäude im Nordhafen von Kopenhagen ist das 8.600 m2 groβe Harbour House, das seit August 2005 für drei Shippingfirmen den gemeinsamen Rahmen bildet.
Kim Utzon sagt: „Beim Harbour House haben wir eine Reihe neuer Merkmale eingeführt. Teils das Troldtekt Lautsprechersystem, dessen verdeckte Lautsprecher sich dem übrigen Ausdruck des Hauses gut anpassen. Der Klang ist einfach da, ohne sichtbare Technik.“
„Zunächst haben wir eine so genannte thermoaktive Konstruktion zur Kühlung der Bürobereiche angewendet. Die Raumtemperatur wird ganz einfach durch das Abkühlen der Betonkonstruktion niedrig gehalten. Gebläse verteilen die kühle Luft durch die Luftspalten zwischen Rippen und Holzwolleleichtbauplatten in den Bürobereichen. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Holzwollwleichtbauplatten die Kühlung verhindern würde, aber es funktioniert einwandfrei.“
Ehrlichkeit und Engagement
Die obenstehende Auswahl von Gebäuden stellt nur einen kleinen Teil der gesamten Produktion dar, ist aber ganz repräsentativ für Utzons Methode. Kim Utzon arbeitet in einer Familientradition, in der es eine Tugend ist, sich Mühe zu geben bei dem, was man tut. Der Großvater Aage Utzon arbeitete mehr als 50 Jahre an der Entwicklung und Verfeinerung der prächtigen Segelboote vom Typ „Spitzgatter“. Der Vater ist als einer der besten Architekten Dänemarks anerkannt und die Schwester Lin ist mit ihrem künstlerischen Wirken sehr erfolgreich - um nur die bekanntesten Mitglieder der Familie zu erwähnen.
Kim Utzon selbst ist inzwischen in einem Alter, in dem Architekten normalerweise zu ihrer persönlichen Formensprache finden, die ihren Arbeiten einen Wiedererkennbarkeitswert verleiht. Das Besondere an Kim Utzons Karriere ist, dass er seinen architektonischen Standort bereits als 28-Jähriger gefunden hatte und seitdem zielstrebig daran arbeitet, seinen Ausdruck zu entwickeln und zu verfeinern. Im Moment hat man in dem dynamischen Architekturbüro alle Hände voll zu tun; das lässt hoffen, dass wir künftig noch viele interessante Gebäude von seiner Hand sehen werden. Kim Utzons Architektur ist eine inspirierende Studie der grundlegenden Werte der Baukunst, die man an Ort und Stelle erleben muss.
Text: Architekt MAA Thomas Mølvig